Tuesday, 8. november 2011
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17:09
Manchmal begreift man ganz plötzlich, von einer Sekunde auf die andere, was einem vorher nicht bewusst war. Und manchmal hat man dann auch das Gefühl, man kenne sich
selbst wohl doch nicht so gut. Gerade so, als habe man ein zweites Ich, das im Verborgenen handelt. Was ich sagen will ist: es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie unser Unterbewusstsein
uns permanent dazu verleitet, dieses oder jenes zu tun, ohne dass wir für uns selbst zunächst den Grund dafür kennen. Ja, ohne dass wir überhaupt nach einem Grund fragen. Dabei beziehe ich mich
insbesondere auf kleine Handlungen, die letztendlich eine größere Bedeutung haben, als man zunächst einmal vermuten mag.
Nach dem Abitur beginnt für einen jungen Menschen ein komplett neuer Lebensabschnitt. 13 Jahre lang (neuerdings auch zwölf) war die Schule eine Art "roter Faden"
oder Konstante, der bzw. die sich, mehr oder weniger geliebt, durch den Großteil des bisherigen Lebens zog.
Entscheidet man sich für ein Studium etwas weiter entfernt, so steht man an diesem Ort vor einem kompletten Neuanfang. Keine Freunde, keine Familie, eine
Ortskenntnis kein bisschen besser als die des erstbesten Touristen. Aber auch die Chance, das Leben einmal anders kennen zu lernen. Zeigen, was man kann und wer man ist. Sich in neue Richtungen
entfalten. Im Idealfall ohne Trennungsschmerz und Fernbeziehung.
Wenn man nicht gerade in ein vollmöbliertes Zimmer im Studentenwohnheim zieht, so hat man auch die Möglichkeit, diesen "neuen Geist" beim Einrichten frei nach
eigenen Vorstellungen auszudrücken. Da bekommt sogar das Möbelhaus einen gewissen Reiz.
Auf einmal wird man mit Dingen frontiert wie Nebenkosten oder dem Einwohnermeldeamt. Und mit der Frage aller Fragen beim Anblick der gefühlten fünf Tonnen
Umzugskartons, welche das Zimmer so blockieren, dass man kaum noch geradeaus gehen kann: "Wie soll das überhaupt alles in die Studentenwohnung kommen und dann auch noch rein passen?" Das
dumpfe Gefühl, dass man wohl doch etwas Wichtiges vergessen hat inklusive.
Dass ich wohl scheinbar mein komplettes Zimmer mitnehmen wolle, hatten meine Eltern gescherzt. Natürlich hatte ich verneint. Aber wo ich die meiste Zeit sei, sollten
schließlich auch die wichtigsten Sachen sein. Doch so sehr Unrecht hatten sie überhaupt nicht. Denn beim Auspacken diverser Kartons wurde mir bewusst: Ich hatte versucht mein altes Leben
mitzunehmen.
Nicht, dass ich alle Verbindungen zur alten Heimat hatte kappen wollen oder Ähnliches. Aber es gibt Dinge, die man hinter sich lassen muss, um klar nach vorne sehen
zu können. Dem bin ich mittlerweile auch um Einiges näher gekommen. Und habe ganz nebenbei noch eine zweite Heimat gefunden..